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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Gynäkologie & Geburtshilfe

Abortus: Diagnose

Abortus (Fehlgeburt)

Definition

Schwangerschaftsbeendigung bis einschließlich der 24. Woche p.m.
Frühabort: bis einschließlich der 16. Woche p.m.
Spätabort: 17. bis 24. Woche p.m.

- Unkomplizierter fieberhafter Abort: Infektion auf den Uterus beschränkt
- Komplizierter fieberhafter Abort: Infektion auf Adnexe, Parametrium, kleines Becken oder Peritoneum übergegangen

Häufigkeit

Sichere Angaben nur über die Zahl der Spontanaborte möglich: ca. 10% aller Geburten
Gesamtzahl der Aborte: auf 1:4 Geburten geschätzt

Matern-bedingte Aborte

(matern = von der Mutter her)

Ursachen
  • Anatomische Regelwidrigkeiten des Genitale, uterine Doppelbildungen, Myome
  • Zervixinsuffizienz: Klaffender Zervixkanal, verkürzte weiche Portio;
    Zervixverkürzung und -dilatation im Ultraschallbild zu verifizieren!
  • Endokriner Abort: Ovarialinsuffizienz bzw. extragenitale endokrine Störung (z.B. Diabetes mellitus, Hyperthyreose); 
  • Allgemeinerkrankungen: Infektionskrankheiten, Stoffwechselerkrankungen 
  • Endometriuminsuffizienz (z.B. Asherman-Fritsch-Syndrom: inauterine Synechien)

Aborte aus embryonaler/fetaler Ursache

Ursachen

Defekte, nicht entwicklungsfähige Fruchtanlage, bedingt durch

  • Infektiöse oder toxische Trophoblastschädigung
  • Spermaanomalie (Partner untersuchen!)
  • Chromosomal bedingte Aborte (20-40% der Spontanaborte; Chromosomenanalyse bei den Eltern bzw. aus dem Abortmaterial bei habituellen Aborten veranlassen!)

Abortus artificialis

  • Interruptio
  • Abortus criminalis

Habitueller Abort

Zwei und mehr spontane Aborte hintereinander auftretend

Wichtigste Ursachen
  • Materne Endokrinopathie
  • Chromosomenanomalie
  • Zervixinsuffizienz (Spätaborte!)
  • Uterusfehlbildungen
  • Endometriumschäden
  • Immunologischer Abort (unzureichender immunologischer Schutz durch das Fehlen blockierender Antikörper)
Symptome
  • Uteruskontraktionen (Schmerzen)
  •  Blutungen
  • Eröffnung des Muttermundes
  • Blasensprung (bes. bei Spätaborten)
  • Gewebeabgang
Diagnostik

Vitalitätskontrollen des Embryos (vor bzw. mit Beginn einer schwangerschaftserhaltenden Therapie erforderlich, um unnötige Maßnahmen und eine unnötige Verlängerung des Klinikaufenthaltes zu vermeiden)

Vitalitätskriterien sind

  • Ultraschallkontrolle: nicht entrundete Amnionhöhle, Fruchtblasendurchmesser der Schwangerschaftsdauer entsprechend, Nachweis von Herzaktionen, Nachweis von Kindsbewegungen.
  • Mit Vaginalsonographie Vitalitätsnachweis bereits von der 6. Schwangerschaftswoche an möglich!
  • Endokrine Kontrollen: quantitative HCG-Bestimmungen
Verifizierung der Zervixinsuffizienz
  • Palpation: verkürzte, dilatierte Zervix
  • Vaginalsonographie: Zervix von 4-5cm auf 2-3,5cm verkürzt

Abortus imminens

Portio erhalten, Muttermund geschlossen, sonographische Vitalitätskriterien vorhanden, Schmerzen, Blutungen

Abortus incipiens

Zusätzlich: beginnende Muttermund-Eröffnung, verkürzte Portio

Abortus incompletus

Partielle Ausstoßung des Schwangerschaftsproduktes

Missed abortion (verhaltener Abort)

Abgestorbenes Schwangerschaftsprodukt, fehlende Blutung, ausbleibende Fruchtausstoßung

Diagnose

Sichere Diagnose Voraussetzung für Indikation zur Uterusentleerung!

  • Ultraschall (fehlende Herzaktion oder fehlende Embryonalanlage)
  • Evtl. abfallender HCG-Titer

Fieberhafter Abort

Temperatur, rektal gemessen, über 38° C

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Letztes Update:25 Februar, 2009 - 10:07

Gynäkologie & Geburtshilfe

Gynäkologische Notfälle: Diagnose

Gynäkologische Notfälle

Symptome 
  • Plötzlich aufgetretene starke vaginale Blutung
  • Schmerzen
  • Akutes Abdomen; Intraabdominale Blutung; kombinierter posthämorrhagischer-peritonealer Schock: akute Lebensbedrohung

1. Leitsymptom: genitale Blutung

Präpubertäre Ruhephase 
  • Vulva, Vagina: Pfählungsverletzung, Unfall, Fremdkörper, Vergewaltigung
  • Uterus: Pubertas praecox, hormonbildende Ovarialtumore (Pseudopubertas praecox)
Pubertät 
  • Vulva, Vagina: Verletzung, Defloration, Vergewaltigung, Kolpitis
  • Uterus: Menarche, Schwangerschaft 
Reproduktive Phase
  • Vulva, Vagina: Verletzung, Kohabitation, Kolpitis
  • Uterus: dysfunktionelle Blutung (Endokrinopathien, Hyperfibrinolyse, Myomblutung, Endometritis, Adnexitis,        Polyposis uteri, Uterushypoplasie, hormonbildender Ovarialtumor, Endometriumkarzinom, Portioektopie,            Zervixkarzinom); Abortus; Tubaria
Postmenopausale Phase
  • Vulva, Vagina: Verletzung, Colpitis senilis, Ulkus, Vulvakarzinom, Vaginalkarzinom, sekundäre Tumore
  • Uterus: hormonbildende Ovarialtumore, Endometritis, Endometriumkarzinom, Uterussarkom, Zervixkarzinom/-polyp

Spezielle Ursachen genitaler Blutungen:

Pfählungsverletzung

Ursachen
  • Sturz auf einen Pfahl
  • Fahrradunfall
  • Autounfall
Symptome
  • Vulvahämatom und Lazeration
  • Verletzung der Vagina evtl. einschließlich des Septum recto-et vesico-vaginale Blutung aus der Vagina
  • Bei penetrierender Verletzung auch akutes Abdomen

Kohabitationsverletzung

Ursachen
  • Durch Blutungsbeginn nach einer Kohabitation leicht eruierbar
  • Bei jungen Mädchen: Deflorationsblutung
  • Bei älteren Frauen Verletzung als Folge einer Rigidität der Weichteile und/oder Hormondefizit
Symptome
  • Blutung unterschiedlicher Stärke aus der Vagina bzw. aus dem Introitusbereich
  • Bei perforierender Verletzung mit Eröffnung des Douglas-Peritoneum (selten!) evtl. Blutung nach innen mit akutem Abdomen

Blutung bei Cervixkarzinom (Kraterblutung)

Ursachen
  • Spontaner Blutungsbeginn bzw. Blutung nach Kohabitation oder Defäkation
  • Seltener bei exophytisch wachsendem Tumor
  • Häufiger bei einem Portioulkus
Symptome
  • Akute, evtl. akut lebensbedrohliche Blutung aus der Vagina
  • Fehlende abdominale Symptomatik

Starke uterine Blutung bei submukösem Myom

Ursachen

Beim submukösen Myom starke uterine Blutungen als Folge der Cavumveränderungen

Symptome
  • Zumeist akut auftretende, evtl. extrem starke uterine Blutung mit Koagelabgang
  • Chronische Blutungsanämie mit akuten Kreislaufstörungen bei der erneuten Hypermenorrhoe

 

2. Leitsymptom: gynäkologische Schmerzen

3. Leitsymptom akutes Abdomen

Gynäkologische Ursachen des akuten Abdomens:

Extrauteringravidität

Ursachen

Nidation des befruchteten Eies außerhalb des Uterus (Tube, Ovar, Peritoneum) am häufigsten als Folge von Passagestörungen in der Tube

Symptome
  • Nach 6-8 wöchiger Amenorrhoe mit subjektiven Schwangerschaftszeichen langsam zunehmende Unterbauchschmerzen (Tubarabort) oder akutes Abdomen mit intraabdomineller Blutung (Tubarruptur)
  • Schocksymptome
  • brettharte Bauchdeckenspannung
  • evtl. Schulterschmerz oder Singultus
Diagnostik
  • Tastbefund oft uncharakteristisch: Uterus aufgelockert, aber kleiner als nach der Schwangerschaftsdauer zu erwarten; Adnexe druckempfindlich. Ein Tumor ist zumeist nicht zu tasten! Vorgewölbter, druckschmerzhafter Douglas-Raum
  • ß-HCG-Test positiv
  • vaginale Sonographie
  • Sicherung der Diagnose: Laparoskopie

Stieldrehung eines Ovarialtumors

Ursachen

  • Durch abgebremste Bewegungen des Körpers um die Längsachse (Tanzen), häufiger durch asymmetrisches Wachstum des Tumors. Vor allem bei Dermoiden auftretend.
 
Symptome
  • Akuter, einseitiger Unterbauchschmerz
  • Unterbrechung der Gefäßversorgung des Tumors
  • ein sich schnell entwickelndes akutes Abdomen
  • paralytischer Ileus
  • Schockzustand
Diagnostik
  • Palpation durch die Abwehrspannung erschwert: Einseitiger, stark druckdolenter Tumor im Adnexbereich
  • Verifizierung des Tumors evtl. durch sonographische Darstellung (bes. Farbduppler US)
  • Die gleiche akute abdominale Symptomatik entwickelt sich bei der seltenen Stieldrehung bzw. Nekrose eines gestielten subserösen Myoms

Pelveoperitonitis

Ursachen
  • Keimaszension in die Tuben mit hochvirulenten Keimen (z.B. Chlamydien)
  • Häufig während der Menstruation, nach einer Abrasio bzw. bei einem Abort
  • In den letzten Jahren Auftreten schwerer aszendierender Adnexinfektionen mit Tuboovarialabszessen und Douglasabszess bei Intrauterinspirale!
Symptome

Zunehmende, zunächst oft einseitige Unterbauchschmerzen

Diagnostik
  • Bei der Palpation teigige, schmerzhafte Adnexe
  • Später wegen der Abwehrspannung häufig kein sicherer Tastbefund zu erheben
  • Douglas-Raum schmerzhaft
  • Portioschiebeschmerz
  • Evtl. eitriger Fluor
  • Hohe Temperaturen
  • Leukozytose, CRP Anstieg
  • In unklaren Fällen Laparoskopie/Laparotomie

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Letztes Update:24 Mai, 2011 - 09:17

Gynäkologie & Geburtshilfe

Extrauteringravidität: Diagnose

Extrauteringravidität

Definition

Nidation des befruchteten Eies außerhalb des Uterus. Sowohl Transport- als auch Reifungsstörungen können dazu führen, dass sich das befruchtete Ei bereits in der Tube ansiedelt und so zu einer Eileiterschwangerschaft führt. Dies ist die häufigste Form der ektopen Gravidität.

Formen:

Tubargravidität

  • Graviditas tubaria ampullaris (im distalen ampullären Tubenabschnitt)
  • Graviditas tubaria isthmica (im mittleren Tubenabschnitt)
  • Graviditas interstitialis (im uterinen Tubenabschnitt)

Ovarialgravidität

Peritonealgravidität

  • Primäre Peritonealgravidität: primäre Nidation auf dem Peritoneum
  • Sekundäre Peritonealgravidität: Nidation zunächst im ampullären Teil der Tube mit nachfolgendem Übergreifen der Zotten auf das Peritoneum oder Ausstoßung des Eies mit sekundärer peritonealer Nidation

 

Zervixgravidität

Häufigkeit

Zunahme in den letzten Jahren durch den Anstieg der sexuell übertragenen Infektionen, aber auch durch die intrauterine Kontrazeption (IUD!)

Ursachen

Die häufigste Ursache der Tubargravidität besteht in einem mechanischen Hindernis des Eitransportes. Der inkomplette Verschluss der Tube tritt als Folge entzündlich bedingter Verwachsungen der Tubenschleimhaut auf, die zu einer Eifalle werden. Entzündliche Veränderungen der Muskulatur der Tube führen zu Störungen des Zygotentransportes.

 

Passagestörungen innerhalb der Tube

 

  • Endosalpingitische Schleimhautveränderungen (Falten- und Taschenbildungen, Fehlen des Flimmerbesatzes der Schleimhaut)
  • Perisalpingitische Adhäsionen (Abknickung der Tube, Peristaltikstörungen)
  • Hypoplasie der Tuben mit Motilitätsstörungen
  • Entzündliche Veränderungen der Tubenmuskulatur
  • Spasmen (Angst vor Gravidität)

 

Angeborene Fehlbildungen der Tube

 

  • Divertikel
  • Blind endende Nebentube

 

Bei einer Ovarialgravidität kommt es bei der Ovulation nicht zur Freigabe der Oozyte aus dem gesprungenen Follikel; dadurch kommt es im Ovar zur Zygotenbildung.
Die Zervixgravidität, die sehr selten ist, tritt als Folge von verspätetem Eintritt der Nidationsreife der Zygote
als auch bei Störungen der Dezidualisation des Endometriums auf.

 

Tubarabort

Bei fimbriennaher Nidation erfolgt das Trophoblastenwachstum gegen das Ostium tubae. Die Ruptur der Decidua capsularis, der innere Fruchtkapseldurchbruch, geht mit einer protrahierten Blutung sowie dem peritubaren Hämatom einher. Sie ist gekennzeichnet durch stetig zunehmende Unterbauchschmerzen sowie eine kurzfristige Amenorrhoe. Kann aber auch problemlos ablaufen (ohne Blutungen, ohne Intervention).

 

Tubarruptur

Findet die Implantation im mittleren Tubenabschnitt statt, penetrieren die Zotten in die Tubenwand, bis sie das Peritoneum erreichen und tubare Gefäße usurieren. Durch den äußeren Fruchtkapselaufbruch kommt es zu einer intraabdominalen Blutung mit akut einsetzenden Unterbauchschmerzen und akutem Abdomen.

Anamnese
  • Amenorrhoe: von 6-8 Wochen
  • früher oder derzeitige IUD-Trägerin
  • vorangegangene Entzündungen
  • vorangegangene Extrauteringraviditäten
  • vorangegangene Sterilitätsbehandlungen
Symptome

Am häufigsten findet sich der Symptomenkomplex aus Unterleibsschmerzen in Verbindung mit uterinen  Schmierblutungen nach kurzfristiger Amenorrhoe.

  • Druckempfindlichkeit der Adnexe
  • Portioschiebeschmerz
  • Akutes Abdomen bei intraperitonealer Blutung
  • Uterus aufgelockert, Größe entspricht nicht der Amenorrhoedauer
  • US: intrauterin kein Schwangerschaftsprozess nachweisbar, aber hochaufgebautes Endometrium; bei neuesten Vaginal Ultraschall-Geräten gelingt es manchmal auch die Extra-uterine Schwangerschaft direkt zu sehen.
  • Positiver HCG-Test

 

Tubarabort

 

  • Zunehmende, kolikartige Schmerzen einseitig im Unterbauch
  • Leichte uterine Blutung (Abstoßung der Dezidua)
  • Peritubares Hämatom
  • Schmerzhaftigkeit der teigig verdickten Adnexe und des Douglasraums
  • Portiolüftungs- bzw. -schiebeschmerz

 

Tubarruptur

 

  • Akut auftretende starke Schmerzen im Unterbauch
  • Akutes Abdomen
  • Intraabdominale Blutung
  • Kreislaufsymptomatik

Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf Tubaria
  • Progesteron: >25 ng/ml eher intakte intrauterine Gravidität
  • quantitativer HCG: entscheidend ist der Anstieg des HCG-Wertes (mind. 1,6 - 2facher Anstieg spricht für intrauterine Gravidität)
  • HCG-Test: 2 Kontrollen im Abstand von 48 Stunden
  • Ultraschall: abdominale Sonographie: leerer Uterus mit Ringstrukturen im cavum; vaginale Sonographie: Nachweis der extrauterinen Gravidität ab der 6. Woche p.m.
  • Laparoskopie: Darstellung der Extrauteringravidität
  • Douglaspunktion: Nachweis von koaguliertem Blut im Douglasraum
  • Bei Abrasio Gewinnung von Dezidua ohne Zottennachweis (DD: Abortus completus)

 

Bedeutung der Frühdiagnose

 

  • Ziel: Erkennung der noch intakten Extrauteringravidität bzw. des frühen Tubarabortes
  • Ergebnis: größere Chancen für ein tubenerhaltendes operatives Vorgehen bei fortbestehendem Kinderwunsch. Ausstreifen des Schwangerschaftsproduktes aus dem Fimbrienende bzw. Rekonstruktion der Tube durch mikrochirurgisches Vorgehen (z. B. Sectio tubae)
  • Möglichkeit der konservativen Therapie mit MTX


Prognose

  • Wiederholung von Extrauteringraviditäten ca. 10%
  • Eintritt einer normalen intrauterinen Gravidität in ca. 30% der Fälle
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 09:17

Gastroenterologie

Darmerkrankungen, infektiöse: Diagnose

Akute Gastroenteritis

Definition

Sogenannte infektiöse Lebensmittelvergiftung; Schleimhautentzündung von Magen (Gastritis) und Dünndarm (Enteritis), die durch infizierte Lebensmittel verursacht wird und klinisch unter dem Bild eines akuten Brechdurchfalls verläuft.

Siehe Meldepflicht bei bakteriellen Lebensmittelvergiftungen

Ursachen

Akute Gastroenteritiden können durch Viren, Bakterien oder Parasiten hervorgerufen werden.
Daneben ist eine Erkrankung auch durch bakterielle Toxine ohne das Vorhandensein vitaler Erreger möglich ("Lebensmittelvergiftung").
Bis zu 40% aller akuten infektiösen Gastroenteritiden sind viral bedingt und sie betreffen meistens Kinder. 

Anamnese

Besondere Bedeutung der Anamnese und Klinik, da initiale therapeutische Maßnahmen einer mikrobiologischen oder serologischen Identifikation des Erregers vorausgehen müssen.

  • Beginn der Beschwerden
  • Art der Beschwerden (Erbrechen, Durchfall, blutige oder wässrige Stühle, Fieber)
  • mögliche Infektionsquelle (Speisen 2-3 Tage vor Manifestation der Beschwerden, insbes. rohe Speisen, Eierspeisen, Essen in Lokalen, ungewaschenes Obst/Gemüse, Getränke)
  • weitere Erkrankungen im Umfeld
  •  kürzliche Auslandsreisen
  • Medikamentenanamnese (Antibiotika, Immunsuppressiva)
  • Begleiterkrankungen, die den Verlauf komplizieren könnten (kardiale oder renale Erkrankungen, Immundefizienz, zusätzliche chronische Infektionskrankheiten ...)

 

Wichtigste Erreger akuter Gastroenteritiden
Erreger
Inkubationszeit
Klinische Symptomatik
Dauer
Viren
     
Norwalkvirus
Ca. 1 Tag
Erbrechen, Durchfall, Fieber, Myalgien, Kopfschmerzen
1-2 Tage
Astroviren wässrige Durchfälle
2-3 Tage
Rotaviren Gruppe A wässrige Durchfälle, Fieber, Erbrechen
5-7 Tage
Adenoviren Durchfall, Erbrechen, Fieber
bis zu 12 Tagen
Bakterien
     
Enteritis-Salmonellen
1-2 (-7) Tage
Gastroenteritis (75%), Fieber (50%), Bakteriämie (5-10%), blutige Diarrhöen (gelegentlich); Komplikation: reaktive Arthritis
1-3 Wochen
Shigellen
1-3 Tage
Fieber, starke Bauchschmerzen, zunächst wässrige, später blutige schleimige Diarrhöen; Komplikation: reaktive Arthritis
3 Tage bis 1 (-4) Woche(n)
Yersinien
1-3 Tage
Fieber, Bauchschmerzen, Durchfälle; Komplikation: reaktive Arthritis
1-3 Wochen
Campylobacter
1-3 Tage
starke Bauchschmerzen, wässrige Durchfälle (gelegentlich blutig); Komplikation: reaktive Arthritis
bis 1 Woche
Enterotoxin bildende/ enteropathogene
E. coli (ETEC, EPEC)
1-2 Tage
wässrige Durchfälle, in schweren Fällen choleraartig (Reiswasser-Stühle)
3-8 Tage
Enteroinvasive/ enterohämorrhagische
E. coli (EIEC, EHEC)
1-14 Tage
wässrige oder blutige Diarrhöen, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen, hämolytisch-urämisches Syndrom (EHEC)
3-8 Tage
Bakterientoxine von Staphylococcus aureus
Stunden
Übelkeit, Erbrechen, wässrige Durchfälle
1-2 Tage

Bakterientoxine von

Bacillus cereus

Stunden Übelkeit, Erbrechen, wässrige Durchfälle 1-2 Tage
Bakterientoxine von Clostridium perfringens Stunden Übelkeit, Erbrechen, wässrige Durchfälle, Bauchkrämpfe, Dehydratation 1-2 Tage
Vibrio cholerae 1-3 Tage reiswasserähnliche Stühle + Erbrechen, massive Exsikkose  
Clostridium difficile
-
im zeitlichen Zusammenhang mit Antibiotikagabe:
1. wässrige, selbstlimitierende Durchfälle,
2. pseudomembranöse Kolitis, potenziell lebensbedrohend
 
Parasiten
     
Entamoeba histolytica
sehr variabel
Amöbiasis (Amöbenruhr), blutige Durchfälle, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen, häufigste extraintestinale Manifestation: Amöbenleberabszess
unbehandelt bis mehrere Monate
Cryptosporidium parvum
3-5 Tage
wässrige Durchfälle, Bauchschmerzen, leichtes Fieber
bei Immunkompetenten selbstlimitierend
Dientamoeba fragilis
-
Bauchschmerzen und/oder Diarrhö  
Giardia (Lamblien)
2 Wochen
Giardiasis (Lambliasis)  
Diagnostik

In den meisten Fällen von akuter Gastroenteritis ist eine weiterführende klinisch-chemische, mikrobiologische oder apparative Diagnostik nicht erforderlich.
Ausnahmen betreffen vor allem:

  • Durchfälle nach Tropenaufenthalt, insbes. bei Hinweis auf eine invasive Infektion (Suche nach Endoparasiten im Stuhl, Amöbenserologie)
  • blutige Diarrhöen bzw. Hinweise auf eine Postantibiotika-Kolitis (Bestimmung von Clostridium-difficile-Toxin im Stuhl)
  • Kleinepidemien nach Genuss von suspekten Nahrungsmitteln (Stuhlkultur auf Salmonellen)
  • Gastroenteritiden mit schwerem oder protrahiertem Verlauf, Hinweis auf eine invasive Infektion (Stuhlkultur auf darmpathogene Keime)
  • Hinweise auf einen septischen Verlauf bzw. Verdacht auf metastatische Absiedlungen (Blutkultur)

Nachweis invasiver Infektionen

  • mikroskopische Untersuchung auf fäkale Leukozyten und Erythrozyten nach Methylenblaufärbung
  • mikroskopischer Erregernachweis an frischen Stuhlproben (Parasiten!)

 

Nachweis einer pseudomembranösen Kolitis

  • Medikamentenanamnese
  • Toxinnachweis im Stuhl
  • Kolonoskopie, ggf. Histologie

 

Virusdiagnostik

Nachweis von Rotaviren mit dem Elektronenmikroskop
(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)

 

Komplikationen

Lebensbedrohliche Komplikationen sind selten, müssen aber rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt werden.
Bei schweren infektiösen Kolitiden (Shigellenruhr und selten auch pseudomembranöse Kolitis) mit längerem Verlauf besteht - ähnlich wie bei der schweren Colitis ulcerosa - die Gefahr eines toxischen Megakolons, das unmittelbar lebensbedrohlich sein kann und oft chirurgisch behandelt werden muss.

 

Bei Säuglingen und Kleinkindern mit raschem gesundheitlichem Verfall, starker Exsikkose (mit der Symptomatik einer enteralen Toxikose und zuweilen mit zerebraler Beteiligung als enterotoxische Enzephalose) liegen häufig Virusinfektionen vor (Adenoviren, Rotaviren, seltener durch Rheoviren, rheovirus-ähnliche Agentien [RLA], Norwalk-Virus, Corona-Viren)

 

Merke: Klinikeinweisung ist wegen der schweren, akut einsetzenden Erkrankung fast immer notwendig.

 

Mögliche Komplikationen
Komplikationen Mögliche Erreger
starkes Erbrechen Staphylokokken-Toxin
Rotaviren
Norwalk-Viren
blutiger Durchfall EHEC, EIEC
Shigellen
Campylobacter
Salmonellose
Dehydratation ETEC
Rotaviren
Salmonellose
toxisches Megakolon, Darmperforation Shigellenruhr
EHEC
Clostridium difficile
Campylobacter
Yersinien
Salmonellen (selten)
hämolytisch-urämisches Syndrom, thrombotisch-thrombozytopenische Purpura EHEC
Shigellen
Campylobacter (selten)
systemische (metastatische) Infektion Salmonellen
Yersinien
Campylobacter (selten)
Amöben
reaktive Arthritis Salmonellen
Yersinien
Campylobacter
Shigellen

Salmonellosen

Bakterielle Infektionen des Darmtraktes; weltweite Verbreitung. In den letzten Jahren starke Zunahme in Mitteleuropa - hervorgerufen durch einen der 2000 Serotypen von Enteritis-Salmonellen (häufig: Salmonella typhi murium, panama, newport, agona, heidelberg, münchen). Die Infektion bleibt in der Regel auf den Darm beschränkt.

Übertragung
  • durch infizierte Speisen und Wasser auf den Menschen
  • Keimreservoir sind u.a. Haustiere (Geflügel!)
  • etwa 1% der Erkrankten bleibt Dauerausscheider und kann die Erkrankung weiter verbreiten
Inkubationszeit

Wenige Stunden bis 2 Tage

Symptome
  • stürmischer Beginn: Erbrechen, profuse Durchfälle, Fieber (bis 40° C)
  • Stühle wässrig, im Allgemeinen keine Blutbeimengung
  • bei schwerem Verlauf rasche Exsikkose, kollaptische Erscheinungen
Diagnostik
  • Nachweis der Erreger aus Stuhlkulturen (evtl. Blutkulturen)
  • Serodiagnostik (Agglutinationsreaktion, ELISA)
  • niedriges CRP

(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)

Komplikationen und Gefahren

Bei Kindern und älteren Menschen akute Gefährdung durch Exsikkose und Kreislaufkollaps mit allen Folgen. Bei immungeschwächten Personen können sich die Erreger systemisch ausbreiten (Sepsis, Abszessbildung in allen Organen, Pneumonien, Pleuraerguss, mykotisches Aneurysma, Meningitis). Reaktive Arthritis.

Reisediarrhöen

(siehe auch Infektionsnetz/Escherichia coli-Infektionen

 

50% aller Urlauber in warmen Ländern und fast alle, die länger in den Tropen leben, sind davon betroffen, davon ein Drittel infolge Infektionen.
Am häufigsten enterotoxische Coli-Bakterien, ferner Salmonellosis, Shigellosis, Campylobacter-Infektionen, Amöbiasis, Lambliasis, seltener Wurminfektionen. 

Andere Ursachen

Änderung des "inneren Milieus", Klimawechsel, Zeitverschiebung, ungewohnte Speisen (Fette!) oder "Stress".

 

Symptome

 

In leichten Fällen wenige dünnflüssige Entleerungen, spontane Besserung.
Massive Durchfallattacken mit Erbrechen und Flüssigkeitsverlust sind jedoch möglich, und bei empfindlichen Menschen kann auch nach Rückkehr die Neigung zu Durchfällen anhalten, zumal wenn parasitäre Infektionen vorliegen.

 

Diagnostik

 

(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)

Yersiniosis

Erreger

Yersinia pseudotuberculosis und Y. enterocolitica gehören gemeinsam mit dem Pesterreger in die Familie der gramnegativen Enterobacteriaceae und sind weltweit verbreitet.

Übertragung
  • nahezu alle Haustiere, wildlebenden Säugetiere und Vögel können den Erreger beherbergen
  • Infektion erfolgt meist durch Kontakt auf oralem Wege
  • am häufigsten erkranken Kinder und Jugendliche
Inkubationszeit

10 Tage, evtl. länger

Symptome

Bauchschmerzen und Durchfälle, Fieber
Man kann eine pseudoappendizitische (Druckschmerz im rechten Unterbauch, Abwehrspannung) und eine enteritische Verlaufsform (wässrige, manchmal blutige Durchfälle) unterscheiden.
Seltener Hepatomegalie, Splenomegalie, Aszites, Bronchitis, Pharyngitis, Erythema nodosum.
Die häufigen arthritischen Beschwerden können monatelang bestehen bleiben.

Diagnostik
  • Erregernachweis aus Stuhlproben, entzündlichem Exsudat oder aus exzidierten Lymphknoten
  • Antikörperanstieg und -abfall im Serum, Kreuzreaktionen mit Salmonellen und Brucella abortus möglich
  • bei Arthritis liegt häufig HLA-B27-Konstellation vor
  • histologischer Nachweis aus exzidierten Lymphknoten (abszedierende, retikulozytäre Lymphadenitis)
  • Serodiagnostik (ELISA, indirekte Hämagglutination, Immunoblot)

(siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)

Campylobacter-Infektionen

Erreger

Campylobacter fetus, C. jejuni, C. coli - bewegliche, gebogene, gramnegative Bakterien.

Übertragung

Kontaminierte Nahrungsmittel, insbesondere ungenügend erhitztes Geflügel.

Symptome
Diagnostik
  • Keimnachweis aus Stuhl, Blut, Körperflüssigkeiten
  • Serodiagnostik (ELISA: IgA-Antikörper im Akutstadium)
    (siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)

 

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Letztes Update:24 Mai, 2011 - 09:35